Westentaschenextremisten

Zugegeben meine einleitende Reaktion war etwas unüberlegt... Auf die Erwähnung des Namens "Jesus von Nazareth" mit "ach der Spinner" zu antworten war mal wieder der Inbegriff von Trolligkeit und polarisierte gleich zum Anfang mal wieder so richtig schön.
Meine Erläuterung dass, wenn heute jemand ankommen würde und behauptet "Ich bin Gottes Sohn", ich ihm auch nicht glauben würde und dass von dieser Aussage und den darauf folgenden "Beweisen" nur 2000 Jahre alte Überlieferungen und Sagen geblieben sind (was die Glaubwürdigkeit imho nicht wirklich erhöht), konnte den Anfang dann auch nicht mehr raus reißen.

Es war auch zugegeben recht schwierig meine Meinung in Worte zu fassen, wenn alle 5 Minuten bei irgendeiner Aussage wie "selber denken ist besser als Wiederholen was man in der Sonntagsschule gehört hat", "Bei Verstoß gegen die Gebote wird mit Gottes metaphorischer Keule gedroht... ewige Höllenqualen" oder auch nur einem vertippten Wort alá "Ich habe nur mit Kondom Sex weil der Papst das sagt!", gleich an den Kopf geworfen wird, mir würde Kompetenz fehlen, ich wäre ein "selbsternannter Glaubenskritiker" und will jemandem erzählen woran die betreffende Person glaubt.
Sonntagsschule gibt es nicht mehr, der Himmel-Hölle-Dualismus wird nicht mehr gelehrt und es muss natürlich ohne Kondom lauten... das stimmt schon alles, geht aber auch argumentativ völlig am Thema vorbei und das einzige was mit einem derartigen Stil zu diskutieren erreicht wird, ist den Gegner zu verwirren und von seinen Argumenten abzubringen.

Manchmal will man einfach nur mit einem Beispiel untermauern was man gerade sagen will, manchmal kann Sonntagsschule auch durch Eltern, den Religionslehrer oder den alten Onkel Klaus von Nebenan ersetzt werden und manchmal ist mit Höllenqualen als göttliche Keule auch einfach IRGENDEINE Bestrafung durch höhere Mächte gemeint.
Es ist ohnehin ein Fehler meinerseits gewesen alle Beispiele direkt auf das Christentum zu beziehen, wenn ich doch meine Argumente eher allgemeiner meinte.

Meiner Meinung nach sollte man privaten Glauben/Spiritualität und religiöse Organisationen strikt unterscheiden.
Gegen das Erstgenannte habe ich durchaus nichts, auch wenn es evtl. manchmal so klingt. Wenn jedoch der kleine Fritz sich meine Argumente anhört und sagt das er das Gefühl hätte da wäre ein Gott dann soll er nur an diesen Gott glauben, ich will der letzte sein der ihm dies ausredet. Von mir aus kann auch mein Nachbar Erwin vom Blitz getroffen werden und dann anfangen einen Kieselstein anzubeten.

Hingegen gegen den organisierten "Glauben", dagegen habe ich etwas. Wenn Kinder eingetrichtert bekommen sie sollen jeden Abend beten, sonst habe Gott sie nicht lieb oder mir jemand erzählen will dass ich, sollte ich auf die Straße gehen und die nächstbesten 4-5 Personen erstechen, in der Hölle landen (oder halt nur noch permanent einen Mangel an Glück verspüren, für diejenigen denen das Bild einer Hölle zu direkt ist), dann frage ich mich wer das alles ernst nehmen soll.

Das Ganze mag vom heutigen Gesichtspunkt durchaus unkritisch klingen, wen interessiert es schon ob 10-20 Kinder mehr oder weniger behaupten an einen Gott zu glauben, ohne jemals darüber nachgedacht zu haben?
Man sollte sich jedoch vor Augen führen dass unsere heutige Gesellschaft eher die Ausnahme denn die Regel darstellt. Natürlich kann ich heute auf die Straße gehen und jemandem erzählen ich halte Gott für eine Illusion und in unserer Gesellschaft wird mir da auch keine größere Gefahr drohen als mal nicht zum Gottesdienst eingeladen zu werden.
Bereits in kleineren Dörfern jedoch kann es auch in Deutschland noch vorkommen dass ich für einen derartigen Satz als Handwerker von der Dorfgemeinde erheblich weniger Aufträge bekomme.
In Bayern kann man sogar heute für Kritik am Papst noch RICHTIG Ärger bekommen.
Das alles ist jedoch nichts im Vergleich zu Ländern in denen die Religion noch eine richtig starke Rolle spielt. Das vielzitierte Kondomverbot seitens des katholischen Papstes sorgt nicht umsonst seit langem für beständigen Ärger und mit Bushs Kreuzzug gegen muslimische Länder (das mag nur ein sehr geringer Teil von Bushs Motivation sein, auf der gegnerischen Seite kann das aber schon ganz anders wirken) oder dem in Entwicklungsländern wie den USA noch immer verpöhnten vorehelichem Sex finden sich noch ein paar weitere von sehr vielen Beispielen in denen organisierte Religion noch immer starken Einfluss auf das Weltgeschehen nimmt.

Daher bin ich gegen vorgeschriebene regeln einer Religion und für eigenständiges Denken!

Importierte/Alte Kommentare:

#447: 20.Aug.2008 08:08 von profmakx

...and all hail ERIS!

#448: 20.Aug.2008 08:08 von Dr. Azrael Tod

ALL HAIL DISCORDIA!

#449: 25.Aug.2008 03:08 von Friedenspanzer

Ich bin ja nicht so der Typ, der sich selbst in den Kommentaren verlinkt, aber naja, ich hab mich da vor kurzem schon genug drüber ausgelassen, und weil ich ja sowieso eine Attention Whore bin und zu viel rede, was niemand beachtet (so wie jetzt) klick mich.

(Sogar mit Bezug auf den Diskordianismus, jawoll!)

#450: 25.Aug.2008 03:08 von Dr. Azrael Tod

Diskordianismus is cool... endlich habe ich eine ultimative Wahrheit und muss nicht mehr ständig über alles selbst nachdenken!
In diesem Sinne FNORD!

BTW: Netter Artikel @Friedenspanzer :-)

#451: 25.Aug.2008 06:08 von Kreationisten « G33KY^2 - The Nerd Strikes Back

[...] Nach dem ganzen Religionsbashing (hier z.B. ein Post von mir “Westentaschenextremisten” oder ein Beitrag den ich heute erst verspätet gelesen habe von Friedenspanzer namens [...]

Geschrieben von: DAT