Dropbox und Dropship

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Für diejenigen unter euch, die es bisher verpasst haben: Dropbox versucht momentan ein OpenSource-Projekt zu töten, welches einige Eigenheiten ihres Systems ausnutzt um darüber größere Dateien recht schnell zu verteilen.
Hauptsächlich handelt es sich darum dass Dropbox nicht jede Datei im Speicher behält, sondern erstmal nachsieht, ob es denn nicht bereits eine Version dieser Datei mit dem selben Hashwert bei anderen Nutzern gibt. Wenn ich nun also beschließe ein CD-Image der aktuellen Ubuntu-ISO zu Dropbox zu schieben, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß dass dieses bereits irgendwo existiert und der Upload ist ziemlich unnötig und kann weggelassen werden (Meine anderen Rechner oder Kumpels denen ich die Datei also weiterleite, brauchen nicht zu warten bis mein asynchrones DSL die Datei irgendwann mal übertragen hat, sie können nahezu sofort anfangen die Datei vom Dropbox-Server zu beziehen).

Jetzt liegt die Vermutung nahe, dass die Aktion auch für rechtlich grenzwertiges Tauschen von Urheberrechtlich eingeschränkten Dateien verwendet wird und Dropbox hat somit ein berechtigtes Interesse das zu unterbinden. Einerseits natürlich weil derartige Aktionen enorm Traffic verursachen, die Nutzer aber bestenfalls nach Speicherverbrauch bezahlen und die Aktion somit wahrscheinlich sehr bald wenig profitabel wird, da Dropbox wohl in der Amazon Rechnerwolke liegt und Traffic bezahlt, andernseits werden bei sowas wie so oft die altbekannten Schakale der Urheberrechtsanwälte auf den Plan treten.

Die Firma reagiert sogar noch recht human und bittet erstmal nur recht freundlich den Entwickler des Projektes die Seite vom Netz zu nehmen, da sie sonst ernsthafte Probleme bekommen können. Das ganze erfolgt sogar relativ persönlich per Mail vom Dropbox-Chef.
Was macht also der kleine White-Hat wenn er so eine Mail bekommt? Er nimmt das GitHub-Projekt vom Netz und die Geschichte ist erledigt.

HAHA! Nein, war nur ein Witz. In diesem Internetz gibt es ja noch sowas namens "Troll" und ein solcher macht natürlich das offensichtliche: Er nimmt den offenen Dropship-Quellcode und stellt ihn wieder online (verständlicherweise, hätte ich vlt. auch gemacht). Also sendet Dropbox wieder freundliche Anfragen, versucht es etwas härter, das ganze gibt viel Trara in der Blogosphäre und Leute schieben Panik dass das jetzt katastrophalen Folgen führen wird. Die da unter anderem wären:


  • Dropbox geht pleite

  • nichts-ahnende Dropbox-Nutzer werden verklagt und müssen hohe Geldstrafen zahlen, weil sie ihre Sicherheitskopien bei Dropbox abgelegt haben

  • den Leuten werden ihre Backups bei Dropbox gelöscht, weil sie den selben Hashwert haben wie eine "illegal" verteilte Datei

Um diesen Blödsinn zu widerlegen, fangen wir einfach mal beim Einfachsten an. Nein, eure Backups werden nicht gelöscht, weil ihr keine Backups bei Dropbox rumliegen habt. Wenn doch dürft ihr das gerne als verdiente Strafe ansehen, weil ihr das Wort Backup erstaunlich falsch verstanden habt.

Aber weiter:


Nun aber ist möglicherweise dessen Hashtag bekannt und meine Kopie des Films wird auf dieser Grundlage potenziell Hunderttausenden zugeordnet. Schon seede ich einen illegalen Download. Kann ich das Risiko tragen und vor allem will ich das? Sicherlich nicht!

Nein, du seedest keinen illegalen Download. Schon der Begriff "illegaler Download" ist Blödsinn, da mir keine Bedingung bekannt ist, in der irgendein Download dazu führt dass man sich strafbar macht. Seeden trifft es noch viel weniger. Bei dem Verteilen via Dropbox lädt man eine Datei genau 0-1x hoch (und 1x auch nur der Typ, welcher wirklich als allererstes diese Datei zu Dropbox sendet) jegliches weitere Verteilen übernimmt Dropbox.

Was definitiv illegal wäre, wäre das gewerbliche verteilen urheberrechtlich beschränkter Inhalte für die man keine Rechte hat (insofern könnte Dropbox ärger bekommen). Jetzt könnte man argumentieren dass sich jener erste Strafbar gemacht hätte, aber wenn dem so ist, hätte er seine "Backups" dieser Datei ja auch nicht bei Dropbox auslagern dürfen oder? Es ändert sich an seinen Handlungen jedenfalls garnichts.

Auch wird Dropbox nicht pleite gehen. Bereits jetzt soll Dropbox öfters mal Dateien mit bestimmten Hashwerten löschen um quasi zu moderieren was über ihr System getauscht wird (zu diesem idiotischen Eingeständnis haben sich ja auch bereits viele andere bereit erklären müssen, z.B. YouTube, diverse bekannte Torrent-Indizes oder RapidShare).
Im Gegensatz zu z.B. YouTube hingegen, ist es für Dropbox relativ leicht Dateien auszusortieren, ein gutes Indiz könnte es z.B. sein wenn eine Datei mit einem bestimmten Hash ein paar tausend Mal angefordert wird. Dateien die nun einmal erkannt sind, können somit recht leicht bei allen Nutzern erntfernt werden und fertig ist der Lack. Vlt. gehen sogar ein paar hundert Nutzerkonten dabei drauf, weil diese hauptsächlich solche Dateien enthalten haben, aber auch hier gilt dass diese sehr leicht filterbar sind.

Was bleibt sind ein paar ganz einfache Tatsachen:


  • Man vertraut keinem Unternehmen seine wichtigen Daten an, schon gar nicht wenn das Konto dort ein Werbegeschenk ist ohne irgendwelche Garantien über Datenhaltung oder Zeitbereiche kommt oder ohne zusätzliche Backups die man unabhängig davon hält.

  • Es ist verdammt unwahrscheinlich dass man sich irgendwie Strafbar macht, weil man Daten von Dropbox runtergeladen hat. (aber das wird die Anwälte nicht davon abhalten abstruse Mahnungen zu versenden oder dich zu verklagen) Zumindest bei der aktuellen Rechtslage, aber daran wird gearbeitet.

  • Dropbox ist kein geeignetes "P2P-Netzwerk" und wird es nie sein. (wohl gemerkt: weder geeignet noch P2P)

Ansonsten bleibt noch zu sagen: Warum zum Henker beschäftige ich mich eigentlich mit den hirnverbrannten Ergüssen dieser Internetz-Spezialexperten? Ist ja nun wirklich nicht so als würde irgendwas sinnvolles dabei rauskommen. -.-

Disclaimer


Ich bin kein Rechtsanwalt. Wer das hier als rechtsverbindliche Beratung oder sonst irgendwie hilfreiche Aussage ansieht sollte sein Hirn mal (unter-)suchen lassen.
Geschrieben von: DAT
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